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Met - Trank der Götter?

Es scheint fast als gehöre der Met zum Mittelalter und zur "Szene" wie das "Salz in die Suben".
Anzutreffen auf jedem Markte sind sie: Die Metsieder die ihr Gebräu feil halten.
Neben Wein von Trauben und dem Bier von der Gerste ist dieser Trank aus Honig gemacht wohl das beliebteste geistliche Getränk.

Auch wir sprechen bisweilen dem Met gern einmal zu. Doch ist es meist ein gar unmöglich Unterfangen einen derer Tränke heranzuziehen, der nicht völlig ohne Säure und Körper, dafür aber mit viel zu viel Honig oder einfach nur Süße daherkommt. Meist schmecken die Metsorten nur fad. Süß, etwas nach Honig und fad.

Zu Anfangs dacht man sich kaum etwas dabei.
Doch als der Schreiber auf den Gedanken kam einmal selber solch ein Getränk herzustellen (immerhin macht ja die Hefe die meiste Arbeit) machte er sich auf die Suche im Netze der Welt. Und er ward fündig. Etliche Rezepte galt es zu lesen (schon jetzt sei angemerkt : Fast alles Narretei!) und etliche unnütze Ratschläge (zum Beispiele die Unsitte Met zu sieden! Richtig gearbeitet ist es unnütz und gar gegen den Geschmack den Honig zu sieden.)
Die Suche war beendet als ich auf den Honigweinkeller traf! Nicht nur, dass dort eine Art Met zu machen gezeigt wird, die der herkömmlichen nicht entspricht. Nein auch werden dort die Fehler aufgezeigt, die man machen kann. Wie man sie vermeidet; erkennt. Der Zusammenhang von Weingeist, der Hefe und dem Zucker wird erläutert und wenn doch noch Fragen den angehenden Metsieder zwicken: Im Forum werden auch diese beantwortet!

Wandert einfach einmal vorbei:
Honigweinkeller


Der einzige "Haken" ist dabei, dass der köstliche Met nicht verkauft werden darf (zumindest nicht unter diesem Namen!) da er nicht dem "deutschen Weingesetz" entspricht.
Denn er ist mit Trübstoffen und Zutaten versetzt, die in einem "Met wie es der deutsche Gesetzgeber vorschreibt" nicht sein dürfen, dem Geschmack und der Bekömmlichkeit jedoch sehr wohl förderlich sind!
Das ist einerseits richtig, damit nicht jeder irgendetwas zusammenpanscht was wie Met aussieht und an ahnungslose Käufer verhökert, andererseits scheint es übertrieben zu sein, wenn Flaschen- und Etikettformen reglementiert werden. Deutschland halt, wie man es kennt.
Aber solange man den Trank dann "Wein vom Honig" nennt ist es denn wohl doch legitim.

Als ich mich im Keller des Honigweines gebildet hatte begab ich mich dann auch zu Werke. Anfangs mit recht mäßigem Erfolg muss man sagen. Doch bereits in "experimentum secundum" kam ein Getränk zutage dass doch recht erquicklich schien. Und sehr vielfältig sind die Wege Met zu verändern. Ihn anzupassen an den Gusto der Schöpfers. Und so verging auch kaum Zeit ohne dass weitere "experimenta in vivo" gerufen wurden.
Annus passus est. (ein Jahr ist um)
Und ich muss sagen, dass es immer noch Rezepte zu erforschen gibt. Immer scheint es Neues zu erlernen. Immer scheint es Neues zu schmecken.
Ich jedenfalls mag den "Heldentrunk" (gewürzter Meth), das Elbenblut (Kirschmet), das Hexenblut (Met mit Waldmeister) und den Jul (Honigwein mit winterlichen Gewürzen - neusprachlich Glühwein bzw. -met) und vielen anderen Sorten die in meinem Keller lagern. (Und bin gar wohl auch nicht der einzige mit dieser Meinung)

Nicht ganz günstig und nicht ganz einfach ist der Einstieg in die Welt des Honigweines! (Immerhin gilt es einiges an Apparaten zu erwerben, Gärbehälter und Zutaten müssen her.) Aber es lohnt sich! Denn auf den Märkten und in den Ständen der Krämer findet man kaum erquicklich Honigwein.
Leider!

Hypocrass

Ebenso wie Met wird auf vielen vielen Märkten und Lagern der sog. Hypocrass serviert, verkauft, ausgeschenkt.
Im eigentlichen Sinne ist der Hypocrass eine Art Medizin. Was aber nicht weiter verwunderlich ist, weil im "Mittelalter" Wein generell als Medizin galt.
Hypocrass ist ein schwerer gewürzter Wein, der viel Zucker und Zimt enthält und mit den unterschiedlichsten Gewürzen abgestimmt wird. Er erinnert geschmacklich an "kalten Glühwein", hat aber einen anderen Nachgeschmack und ist je nach Quelle auch wesentlich süsser. Man findet die unterschiedlichsten Rezepte zum Thema, angefangen mit diversen "Originalrezepten" bis hin zu eigenen Kreationen, sowie auch die Unterschiedlichsten Schreibweisen (Hypokras, Hypocras...) und Geschichten zu seiner Entstehung. Angeblich soll er aus Basel stammen wo er auch heute noch traditionell am Neujahrstag genossen wird.
Rezeptbeispiele:
 

Hypocras nach Art des Languedoc

Für ein Viertelpfund Hypocras nach dem Maß
von Beziers, Carcassonne oder Montpellier
(i.e. 12 Unzen pro Pfund) nehmt fünf Drachmen
(1 Drachme= 3,24 Gramm)
fein ausgelesenen und gesäuberten Zimt;
Ingwer, der gelesen und vorbereitet drei
Drachmen ausmacht; Gewürznelken, Muskatblüte,
Galanwurzel, Muskatnuss, Narde, insgesamt einein-
viertel Drachmen, wobei am meisten Nelke verwendet
wird und von den anderen Zutaten jeweils immer
weniger. Mahlet die fein und gebt ein halbes Viertel-
Pfund Blockzucker nach dem Maß von Paris (i.e. 16
Unzen pro Pfund) fein zerstoßen zu den obengenant-
en Gewürzen; wein und Zucker werden in einem
Topf auf kleinem Feuer erhitzt, wobei die gemahlenen
Gewürze zugegeben werden. Gebt alles daraufhin
durch das Seihtuch und seiht so oft, bis der Hypocras
klar wird und eine ansehnliche rote Farbe bekommt.
Wohlgemerkt müssen Zucker und Zimt im
Geschmack vorherrschend sein.

oder dieses aus Basel

Zutaten für etwa 12(!) Personen
3 Flaschen guter Rotwein
1 Flasche Rosé – Wein
1 Flasche Weisswein
500 gr Zucker
3-4 Zimtstängel
5-6 Gewürznelken
¼ frisch geriebene Muskatnuss
Je 1 Prise Ingwer-, Koriander- und Kardamompulver
1 Stück Zitronenschale

Experimentierfreudig, wie der Karolus nunmal ist gab er sich daran sein eigenes Rezept zu finden und kreierte diverse Mischungen, die
ijm aber irgendwie immer eines Gewürzes zu entbehren schienen. Mehr Zimmt, mehr Nelken, Weihrauch Ja oder Nein.. alles wurde in geringen Mengen versucht.
Aber der leicht scharfe Nachgeschmack, der die Sinne weckt war es, dessen Ursache zu erforschen war.
Letztlich fand ich auch die Quelle: Galgant! Eine Ingwerart.
Und wieder gab es Mischungen. Mal mehr Zucker, mal weniger, mal mehr Gewürze, mal weniger.
Die Galgantmenge abzustimmen war neben dem Eliminieren störender Geschmäcker für mich die größte Herausforderung.
Anis, Kardamom, Ingwer und Weihrauch waren eben solche störenden Einflüsse die deshalb aussortiert wurden.
Aber am Ende stand dieses Rezept, was ich (wohlgemerkt!) für mich als abgestimmt betrachte.
Es hat nicht die Berge an Zucker aus den alten Rezepten, entbehrt nicht des Galgants und schmeckt einfach gut für meinen Gaumen.

Hypocrass Sagittarii

Auf 18 Schoppen trockenen Dornfelder Wein (9L = 12 Flaschen) gebe man
des Sonntags
2 und 1/4 Pfund Zucker (1kg)
1 Loth und ein Quentchen Galgant (36 Gramm)
3 Loth Zimmetstangen (ca. 90g)
knapp 3 Quentchen Nelken (18 Gramm) und
Einen reichlichen viertel Schoppen  Rosenwasser (150mL)
Am 2 Sonntage danach seihe man die Gewürze durch ein Tuch ab und fülle den Trank wieder in Flaschen, die man gut verschließe.

Den Wein für die Grundlage kann man sehr gut bei dem Händler namens Albrecht der in Nord und Süd vertreten ist erwerben.
Das Rosenwasser findet ihr beim orientalischen Händler, genauer bei den Byzantinern.
Stilecht serviert man solch ein Gebräu in einem Kuttrolf (oder Guttrolf, Kutterolf..).
Das ist eine Gluckerflasche die jahrhundertelang in Europa produziert wurde.
Ich habe meinen glücklicherweise auf einem Markt gefunden.
Kuttrolf
Viel Spaß beim Ausprobieren!

 

In diesem Sinne:
ALL VOLL!

Karolus
 
 
 
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