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Faszination Bogen
Rückblickend auf die Zeit die wir mit dem Bogensport verbringen und verbrachten, drängt sich die Frage auf:

 
Was ist es eigentlich, das das "Bogenschiessen" so faszinierend macht?
Ganz einfach ist das Ganze nicht zu erklären, denke ich.
Es rührt gewiss einerseits aus den Erlebnissen der Jugend, als wir noch "Flitzebögen" aus Weidenstöcken schnitten und ebenso gewiss andererseits aus den Überlieferungen des Mittelalters. Jeder, der sich nur etwas intensiver mit dem Thema Mittelalter oder Menschheitsgeschichte allgemein auseinandersetzt kommt an der Geschichte der Bögen nicht vorbei.
Immerhin existieren sie schon seit 20 Jahrtausenden und erlebten vor 700 Jahren eine bis dato nicht gekannte Blütezeit.
Anfänglich zur Jagd verwendet wandelte sich mit den Eroberungszügen der diversen Imperien auch der Einsatz der Bögen. Mehr und mehr als Angriffs-Distanz-Waffe eingesetzt hatten ungepanzerte Gegner wenig bis keine Chance sich der vernichtenden Wirkung eines Pfeilhagels zu entziehen.
Ein stetiger "Wettkampf" zwischen Bogen- und Pfeilentwicklern auf der einen, sowie Rüstungsbauern auf der anderen Seite sorgten für einen permanenten Wettlauf um das Optimum.
Mit der Erfindung der "Nadelspitzen" war der Sieg für lange Zeit auf der Seite der Spitzenmacher!
Die Needlebodkin-Spitze war eine geschmiedete Spitze die ähnlich einer Nadel sehr dünn auslief und mit Gewichten um 300 Grain (fast 20 Gramm) zwar recht schwer war, andererseits aber auch dafür sorgte dass ihr kinetische Energie fast komplett in "Eindringtiefe" umgesetzt wurde.
Wenn man bedenkt, dass ein Pfeil der sehr hoch in einer Bogenflugbahn abgeschossen wird mit fast der gleichen Geschwindigkeit aufschlägt wie nach dem Abschuss....
Und das war etwas was die französischen Armeen im hundertjährigen Krieg schwer zu spüren bekamen: Den Masseneinsatz von Bogenschützen.
Ein guter Schütze war in der Lage etwa alle 5-6s einen Pfeil abzuschießen bei Reichweiten von über zwei- bis dreihundert Metern. Bei Einsatz von 5000 Schützen bedeutet das dass innerhalb einer Minute 25-30000 Pfeile in der Luft waren. Unmöglich sich dem Einschlag zu entziehen. In den Schlachten von Crecy und Azincourt waren solche Zahlen von Bogenschützen im Einsatz.
"Two soldiers ran over a bridge to take refuge in one of the castles towers. Welsh archers, shooting from behind them, drove their arrows into the oak  door of the tower with such force that the arrowheads penetrated the wood of the door which was nearly a hand thick; and the arrows were preserved in that door as a memento"
Gerald de Barri, a.D. 1188
Hier wird die immense Stärke der Bögen deutlich, denn eine "beinahe handdicke Eichentür" zu durchschlagen ist schon beeindruckend.
Das typische verwendete Holz für den Bogenbau seinerzeit war das der Eibe. Sie hat ein sehr ausgewogenes Verhältnis von Zähigkeit, Belastbarkeit und Schnelligkeit, weil hier das Kern- und Außenholz unterschiedlichste Eigenschaften hat und vereint.  Ein Grund dafür, dass die Eibe in England heute unter Naturschutz steht. Sie wurde in Massen abgeholzt um das Material für den Krieg zu liefern.
Aber zurück aus dem kleinen Geschichtsexkurs zu dem, was uns so überwältigt.
Neben den oben angeführten Gründen gibt es wohl noch einen weiteren, der zwar sehr simpel ist aber nicht in der Aufzählung fehlen darf:
Spaß

Es macht einfach Spaß mit dem Bogen zu schießen. Zu sehen wie sich das Trefferbild mehr und mehr zusammenlegt, wie man auf immer größere Distanz treffsicher wird.
Das Ganze hat etwas sehr beruhigendes an sich (soll man kaum glauben, aber ist so). Man braucht etwas Ruhe um einigermaßen zu treffen, muss also "runterfahren" - den neg. Stress ablegen- entspannen. Und wenn man anfängt zu treffen "fährt man automatisch weiter runter" und entspannt weiter.
Es stellt einfach das totale Gegenteil dessen dar was einem täglich im Berufs- Schul- oder sonstigem Arbeitsleben entgegenschlägt, die Negativspirale in der man sich sonst so oft befindet.
Eigene Pfeile zu bauen, an Scheiben und Ständen zu basteln usw. hat noch dazu etwas handwerkliches an sich und rundet das Bild völlig ab.
Summa summarum:
Ein Sport der nicht nur Sport sondern Seelenbalsam sein kann. Was will man mehr?

Und wenn man wie wir dann auch noch auf dem Markte in stolze und frohe Kinderaugen blicken darf, weil diese unbedarften Wesen (so sie von ihren Eltern unbedarft gelassen werden) sich einfach an diesen grundlegenden Sachen ebenso freuen wie wir, geht einem das Herz doppelt auf!

Gruß,
Euer Karolus

 
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